Für mehr Natur inmitten der Stadt

Die drittklässler legten am Montag eifrig Hand an. Foto: Thorsten Gutschalk

Die Drittklässler legten am Montag eifrig Hand an. Foto: Thorsten Gutschalk

NEUBAUGEBIET Drittklässler der Seehofschule säen „Am Landgraben“ Wiesensamen aus

HÜTTENFELD – (vjo). Raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Natur: Ihren Sachunterricht haben die Drittklässler der Seehofschule am Montag spontan ins Freie verlegt. Genauer gesagt an das Neubaugebiet „Am Landgraben“, wo die Schüler gemeinsam mit den Mitarbeitern der Technischen Betriebsdienste zugunsten der Biodiversität aktiv wurden: Die Kinder griffen zu Samen, Walze und Co. und streuten am hinteren Teil des Feldübergangs eine Wiesensaat aus.

Nahrungsgrundlage für Insekten

„Die Saat dient hauptsächlich den Insekten, die in den Pflanzen Nahrung finden“, betonte Sabine Vilgis, Leiterin der Technischen Betriebsdienste. Die Blumenwiese sei ein Stück ursprünglicher Natur. Mit wenigen Tricks könne man eine bunte Vielfalt in den Garten, aber auch in städtische Gebiete holen. Erfreut zeigte sich Vilgis darüber, dass es sich beim Neubaugebiet um ein Grundstück der Stadtentwicklung Lampertheim (SEL) handelt. „Das zeigt, dass allmählich auch die Gesellschaften für das Thema sensibilisiert werden“, erklärte sie. Biodiversität sei bei den Technischen Betriebsdiensten immer ein Thema, innerstädtisch böten sich hier aber nicht allzu viele Möglichkeiten. Wenn man eine geeignete Fläche findet, seien die Mitarbeiter immer darauf bedacht, Schüler mit ins Boot zu holen, um auch diese an die Natur heranzuführen und für das Thema zu sensibilisieren. „Unsere Hoffnung ist immer, über die Kinder auch die Eltern zu gewinnen“, so die Leiterin. Da die Kinder, die mit ihrer Klassenlehrerin Klara Urbanek gekommen waren, im Unterricht ohnehin über Pflanzen gesprochen hätten, habe sich die Verbindung angeboten. Auch, als die Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste in den Wochen zuvor einige Vorarbeiten geleistet haben, seien sie zeitweise anwesend gewesen. Wichtig sei es nämlich, jeglichen Bewuchs vor der Einsaat zu entfernen. Der Wiesensamen solle auf nackten, am besten abgemagerten (also nicht gedüngten) Boden fallen.

Bitten ließen sich die Drittklässler nicht zwei Mal. Einige nutzten die Rechen, um die Erde aufzulockern, andere nahmen sich die Samenschalen mit der Mischung für Frischwiesen zur Brust und streuten eifrig drauf los. Die stärkeren Jungs betätigten abschließend die große Walze, mit der sie über die besäten Flächen rollten.

Ehe Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen die bunte Wiese als Nahrungsgrundlage und Lebensraum nutzen können, dauert es noch einige Zeit. Sollte der Niederschlag künftig allerdings so konstant wie in den letzten Wochen vom Himmel prasseln, dürften die ersten Pflänzchen schon bald sprießen.

© Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG

Eifrig bei der Gartenarbeit

Jungen und Mädchen helfen beim Einsäen der Brachfläche am Landgraben

Von unserer Mitarbeiterin Rosi Israel

Wiese

Am Landgraben soll eine Wiese mit Wildblumen, Kräutern und Gräsern entstehen: Kinder der Hüttenfelder Seehofschule mit Grünflächenplanerin Astrid Tippelt.

© roi

Hüttenfeld. Tim, Cheyenne, Lilly und Nicole haben den Boden am Landgraben gelockert und Letizia, Leonie und Zoe haben gesät. Einige der Jungen übernehmen die schwerere Arbeit und walzen den Boden an. Einen großen Sack mit einer Mischung Frischwiese und die Gerätschaften, wie Rechen und Saatschüssel, hat die Stadt Lampertheim bereitgestellt.

Überhaupt sind alle Schüler der dritten Klasse der Seehofschule Hüttenfeld eifrig bei der Gartenarbeit dabei. Nun hoffen die jungen Gärtner auf Regen, damit sich das Saatgut zu einer prächtigen Wiese mit vielen Wildblumen, Kräutern und Gräsern entwickeln kann. Die Kinder wünschen sich, dass zahlreiche Blühpflanzen aufgehen und gedeihen. Aber nicht nur weil solch eine Wiese schön aussieht, sondern damit eine große Anzahl von Insekten einen Lebensraum findet.

Das wünscht sich auch die Stadt , denn die Stadtgärtner der Technischen Betriebsdienste um Sabine Vilgis und der Planerin für Grünflächen, Astrid Tippel, setzen sich für Biodiversität ein. Sie versuchen stets, eine biologische Vielfalt in die Stadt zu bringen. „Und das nicht nur in die Kernstadt, sondern auch in die Stadtteile“, bekräftigt Vilgis.

Beitrag zur Umwelterziehung

In Hüttenfeld entsteht am Landgraben ein Neubaugebiet. Zwischen dem Graben und der Ansiedlung lag Brachland, das von den städtischen Gärtnern eingesät wurde. „Wir suchen immer Flächen zur Einsaat. Hier am Landgraben ist eine große zusammenhängende Fläche“, freut sich Sabine Vilgis. Dass die Drittklässler im Randbereich fleißig mit anpacken und sich dabei mit der Natur beschäftigen, findet die Stadtgärtnerin ein tolles Projekt. Denn diese Aktivitäten auf dem Feld blieben als Erlebnis haften, seien eine Bereicherung für die Kinder und dienten der Umwelterziehung. Bevor die Schüler nämlich die Natur schützen könnten, müssten sie die Natur erst einmal wahrnehmen und kennenlernen.

Deshalb werden die Mädchen und Jungen mit ihrer Klassenlehrerin Klara Urbanek am Landgraben regelmäßig nach dem Rechten schauen. Und vielleicht kann schon bald an den duftenden Wiesenpflanzen eine stattliche Anzahl Nützlinge beobachtet werden. „Für den Herbst sind außerdem Pflanzungen von Obstbäumen geplant“, betonte Sabine Vilgis.

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 13.07.2016

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